15.01.2018

Zahl der Organspender gesunken

"Dramatische Situation"

10.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan - doch jährlich sind nur 800 Menschen bereit, zu spenden. Eine dramatische Situation.

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Die Zahl der Menschen, die bereit sind, ihre Organe zu spenden, sinkt weiter. Foto: kna


Die Zahl der Organspender in Deutschland ist erneut deutlich gesunken. Nachdem 2016 noch 834 Menschen gespendet hatten, fiel die Zahl der Spender 2017 auf 769, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Sie beruft sich auf den noch unveröffentlichten Jahresbericht der Stiftung Eurotransplant. Der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Axel Rahmel, sprach in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" von 797 Spendern. Für Patienten, die auf ein Organ warteten, sei dies "eine dramatische Situation".

Mehr als 10.000 Menschen warten in Deutschland derzeit auf eine lebensrettende Transplantation. Zudem, so Rahmel, hänge der Erfolg des Organaustauschs "von einem möglichst großen Organpool ab, weil auf diese Weise das Matching zwischen Spender und Empfänger und damit die Ergebnisse der Transplantation verbessert werden". In Deutschland fehle bislang eine Kultur der Organspende, so der Experte. In anderen Ländern wie etwa Spanien sei es eine Selbstverständlichkeit, dass am Lebensende an Organspende gedacht werde. "Das gilt nicht nur für das Klinikpersonal, sondern für die gesamte Gesellschaft."

Systematische Manipulationen kämen nicht mehr vor, betonte Rahmel. Ab 2012 war es erstmals zu einem deutlichen Rückgang der Organspenderzahl gekommen, nachdem bekanntgeworden war, dass Ärzte an mehreren Transplantationszentren falsche Angaben über ihre Patienten gemacht hatten. Ein weiteres Problem seien die Ökonomisierung von Kliniken und der Fachkräftemangel, so der DSO-Vorstand.

 

Neuregelung zur Organspende notwendig?

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte eine Neuregelung der Organspende. "Notwendig wäre ein Register, in das man sich eintragen kann, wenn man nicht bereit ist, zu spenden", sagte er der "Nordwest-Zeitung". "Wir können verlangen, dass sich jeder aktiv erklärt, der seine Organe im Todesfall nicht für das Leben anderer Menschen hergeben möchte." Das derzeitige Verfahren, nach dem Organe nur entnommen werden dürfen, wenn die Betroffenen einen Organspende-Ausweis bei sich führen, setze "zu hohe Hürden".

Die katholische Kirche spricht sich grundsätzlich für Organspenden aus. Eine Widerspruchsregelung wäre für sie dennoch nicht akzeptabel: Nach ihrer Ansicht muss die Organspende eine bewusste und freiwillige Entscheidung bleiben.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz beklagte gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" ein fehlendes Interesse der Regierungsparteien an der Transplantationsmedizin. "Diese Dramatik kommt in den Sondierungsgesprächen für eine Neuauflage der Großen Koalition mit keinem Wort vor", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Die Parteien ließen die Menschen auf der Warteliste für ein Organ allein. Brysch forderte, den Spendermangel zu einem Thema bei den Koalitionsverhandlungen zu machen.

kna