28.08.2017

Anfrage

Wie viele Katholiken gibt es in Russland?

Welche römisch-katholischen Bistümer gibt es in Russland? Wie groß sind sie und wie viele Katholiken leben dort? W.S., Dresden


In Russland gibt es nur vier römisch-katholische Diözesen auf einer Fläche von über 17 Millionen Quadratkilometern: die Erzdiözese der Mutter in Moskau, die Diözese St. Clemens in Saratow, die Diözese Verklärung des Herrn in Nowosibirsk und die Diözese St. Joseph in Irkutsk. 

Die Bistümer werden in Russland nicht nach den Bischofssitzen benannt, sondern nach Heiligen. Ursprung dieser ungewöhnlichen Namensgebung ist die Rücksichtnahme auf die größere russisch-orthodoxe Kirche, die ihre Diözesen bereits nach Städten benennt. 

Die Anzahl der Christen beziehungsweise Katholiken in Russland wird nur sehr ungenau und teils widersprüchlich angegeben. Renovabis, das Osteuropa-Hilfswerk der katholischen Kirche, geht davon aus, dass lediglich zwei Prozent der rund 142 Millionen Einwohner Russlands (das wären also 2,85 Millionen) einer anderen christlichen Kirche als der russisch-orthodoxen angehören. Andere Quellen sprechen von 400 000 bis 800 000 Katholiken in 200 Gemeinden. 

Selbst die Anzahl orthodoxer Christen in Russland wird extrem unterschiedlich eingeschätzt: zwischen zehn und 75 Prozent. Das liegt an der kommunistischen Vergangenheit der Sowjetunion, in der die Religionsausübung streng überwacht und kontrolliert worden war. Das Christentum verlor bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs rasant an Anhängern – wie viele seitdem zurückgekehrt sind oder sich heute öffentlich zu ihrem Glauben bekennen, wird nicht offiziell erfasst.

„Noch immer haben nicht alle Pfarreien eine Kirche oder Kapelle, so dass die Gottesdienste in Privatwohnungen gefeiert werden müssen“, schreibt Renovabis auf seiner Internetseite. Selbst die Zahl der Priester ist aufgrund starker Schwankungen nur schwer festzustellen. Schätzungsweise 90 Prozent von ihnen stammen aus dem Ausland, wie auch der Bischof der Diözese St. Clemens, Clemens Pickel. Der Deutsche ist seit März dieses Jahres Vorsitzender der russischen katholischen Bischofskonferenz.

Von Philipp Adolphs