15.11.2017

Anfrage

Wie ist die Weihe in anderen Kirchen zu verstehen?

Verschiedene Kirchen haben verschiedene Vorstellungen von Weihe. Können sich Menschen einfach zusammenschließen, sich Kirche nennen, Menschen taufen und Priester weihen? Wie ist das aus katholischer Sicht zu verstehen? H. B., Bramsche


Verschiedene Konfessionen benutzen Begriffe wie Kirche, Priester, Pfarrer, Abendmahl, Eucharistie, Ordination oder Weihe. Auf solche Begriffe gibt es kein römisch-katholisches Urheberrecht, deshalb können Gruppen sich Kirche nennen, taufen oder Priester bestimmen. Die Frage der wechselseitigen Anerkennung dieser Begriffe ist eine andere. Für die Ökumene wichtig ist daher, ob unterschiedlichen – oder auch ähnlichen – Begriffen oder Riten auch ein unterschiedliches Verständnis der Sache selbst zugrunde liegt oder nicht.

Zur Weihe: Nach katholischem Verständnis ist die Weihe von Diakonen, Priestern und Bischöfen ein Sakrament. Menschen stellen sich dauerhaft und ganz in den Dienst Gottes und werden dazu sakramental geweiht. Dies geschieht durch Handauflegung und Gebet. Mit diesen Zeichen wird der Heilige Geist auf die Personen herabgerufen, der sie erfüllt und für ihr Amt ausstattet. Ihnen wird ein „unauslöschliches Prägemal“ (lateinisch: „character indelebilis“) gegeben. Daher ist die Weihe – ähnlich wie die Taufe – in diesem Verständnis nicht rückgängig zu machen oder zu beenden, selbst wenn die damit verbundenen Rechte und Pflichten sich ändern können. Und so werden diese Personen mit dem Weihesakrament nicht einfach für eine Aufgabe beauftragt oder für ein bestimmtes Amt ordiniert, wie es in anderen Kirchen geschieht. Evangelische Pastorinnen und Pastoren sind deshalb auch nach katholischem Verständnis etwas anderes als Priester.

In katholischer Lesart befinden sich zudem die geweihten Bischöfe in einer ununterbrochenen Reihe, die auf die Apostel zurückgeht. Dies nennt man apostolische Sukzession, die immer wieder durch Gebet und Handauflegung in die kommende Generation weitergeführt wird. Etwa in der evangelischen Kirche gibt es ein solches Verständnis der apos-
tolischen Sukzession nicht. Die Amtsfrage ist daher ein wichtiger Knackpunkt im ökumenischen Gespräch.

Von Michael Kinnen