16.08.2017

Frauen in Leitungspositionen der Kirche

Von null auf 20 - in 30 Jahren

Vor 30 Jahren gab es so gut wie keine Frauen in den Führungsetagen der Kirche. Vor 15 Jahren übernahm die erste Frau die Leitung eines bischöflichen Seelsorgeamts. Heute geht der Wert von Frauen in kirchlicher Leitung auf 20 Prozent zu. Ein Erfolg, der aber ausbaufähig ist.


Foto: imago
Eine Frau als kirchliche Finanzchefin oder Personalleiterin: Das gibt es noch nicht lange. Aber der Anteil wächst. Foto: imago


Keine Frage: In den vergangenen fünf Jahren hat sich etwas getan. Seit sich im Jahr 2013 die Deutsche Bischofskonferenz dazu bekannt hat, dass sie mehr Frauen in Führungspositionen will, sind die Zahlen gestiegen. Waren damals 28 von 220 Leitungsstellen in den Generalvikariaten von Frauen besetzt (knapp 13 Prozent), sind seitdem 13 weibliche Führungskräfte hinzugekommen, so dass die Quote nun an die 20 Prozent beträgt. Die  Abteilungen für Seelsorge werden gar zu fast 40 Prozent von Frauen geführt. Auch in Schul- und Rechtsabteilungen finden sich häufiger Frauen in der Leitung, stark unterrepräsentiert sind sie dagegen in Finanzabteilungen und Pressestellen.

„Die Zahlen zeigen den Willen, Frauen einzustellen“, sagt Andrea Qualbrink. Sie hat eine Doktorarbeit über Frauen in kirchlichen Führungspositionen geschrieben und für die Bischofskonferenz wissenschaftlich Zahlen erhoben. Zudem begleitet sie das Projekt „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“ des Hildegardis-Vereins und der Bischofskonferenz, um Frauen zu fördern und ihnen Mut zu machen, sich überhaupt auf Leitungsstellen zu bewerben.


Wer traut mir was zu? Was traue ich mir zu?

Denn daran fehlt es mitunter: dass Frauen überhaupt ihren Hut in den Ring werfen. „Manchmal fehlt das Selbstvertrauen“, sagt Andrea Qualbrink. Manche sähen aber auch voraus, „dass sie als Frauen stärker ihre Kompetenz unter Beweis stellen müssen“. Platzhirschgerangel schreckt eher ab.

Auf der anderen Seite sagen Studien, so Qualbrink, „dass männliche Führungskräfte im Interesse von Stabilität, Vertrauen und Handlungssicherheit häufig auf ihnen ähnliche Personen setzen“. Auf Männer. In der Tat bedeuten mehr Frauen in der Führung eine Kulturveränderung – das ist auch eine Herausforderung.

Und schließlich ist da die Sache mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Viele Frauen in kirchlicher Leitung haben Andrea Qualbrink erzählt, „dass eine solche Position mit einer Familie nur schwer vereinbar ist“ oder überhaupt nur dann machbar, wenn der Partner die Familienarbeit überwiegend übernimmt. Erste Versuche mit Teilzeit in der Leitung, wie sie etwa der Deutsche Caritasverband nach dem Motto „Topsharing: Jobsharing in Führungspositionen“ mit guten Ergebnissen gemacht hat, sind deshalb zukunftweisend – für Frauen und für Männer.

Auch Yvonne Russell hat sich eine Stelle geteilt. Gemeinsam mit einem Kollegen leitete sie die Lebensberatungsstellen des Bistums Trier. Ihr Fazit: „Zweimal 50 Prozent sind mehr als 100.“ Denn zwei Leute mit unterschiedlichen Erfahrungen und Persönlichkeiten „stellen einen unermesslichen Schatz dar“. Und sind zudem eine gute Möglichkeit, mehr Frauen mit Familie in Leitung zu bringen.

Von Susanne Haverkamp