22.02.2017

Anfrage

Unterstützte die Kirche Sklavenstaaten?

In einem Buch las ich, die katholische Kirche sei im amerikanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Sklavenstaaten gewesen. Wie ist das zu erklären? Hat die Kirche sich dafür entschuldigt?
B. B., Paderborn

Die Haltung von Christen in den USA zur Sklaverei damals war nicht immer deckungsgleich mit der
Position im Sezessionskrieg (1861–65) zwischen Nord- und Südstaaten. Da im Süden nur wenige Katholiken lebten, kämpften die meisten – vor allem irische Einwanderer – auf Seiten der Nordstaaten. Dafür meldeten sich viele freiwillig, um ihren Patriotismus für die USA zu beweisen.

In den Jahrzehnten zuvor war die katholische Minderheit massiv angefeindet worden. So behauptete 1855 in der Debatte um die Sklaverei eine Partei noch, alle Menschen seien gleich – außer „Neger“, Ausländer und Katholiken. Bis etwa 1870 gab es teils heftige Übergriffe und Anfeindungen gegen katholische Einwanderer. Als „Papisten“ seien sie keine echten Amerikaner. So traten katholische Bischöfe zwar für die Rechte der Katholiken ein, waren aber bei sonstigen Äußerungen eher vorsichtig. Zudem waren Anführer der Anti-Sklaverei-Bewegung erklärte Feinde des Papsttums.

Damals hatten etliche Kirchenführer fast aller Konfessionen ebenfalls Sklaven. Einige katholische Bischöfe waren gegenüber der Sklaverei relativ tolerant. Einer sah in ihr Gottes Fügung, damit die Schwarzen das „milde Licht des Evangeliums“ kennenlernten. Andere äußerten verhalten Kritik. Dabei hatte noch 1839 Papst Gregor XVI. in der Bulle „In Supremo“ Sklavenhandel wie Sklaverei verurteilt, fand aber nicht bei allen Bischöfen Gehör.

Auch andere Konfessionen waren in der Frage zunehmend gespalten. Bis 1820 forderten die meisten Christen die allmähliche Abschaffung der Sklaverei. Das änderte sich mit der zunehmenden wirtschaftlichen und politischen Spaltung von Süd und Nord. Am Ende rechtfertigten Prediger aus denselben Bibelstellen ihre Haltung für oder gegen die Sklaverei.

Vor einigen Jahren haben die Jesuiten der renommierten Georgetown-University ihre Geschichte als Sklavenhalter aufgearbeitet und Nachkommen von Sklaven als Wiedergutmachung Stipendien angeboten.

Von Roland Juchem