25.10.2017

Was bleibt vom Reformationsgedenken?

Und trotzdem bleibt die Trennung

Gottesdienste, Diskussionen, Reisen, Filme, Bücher und jetzt auch noch ein bundesweiter Feiertag. Die Reformation feiert ihren 500. Geburtstag und alle Menschen im Land bekommen ein Geschenk. Aber was hat das Reformationsgedenken für das Miteinander der Christen in Deutschland gebracht?


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Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx beim ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst in Hildesheim
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Kardinal Reinhard Marx und sein evangelisches Pendant, der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sind in diesem Jahr im ökumenischen Dauereinsatz. „Dream-Team der Ökumene“ oder „siamesische Ökumene-Zwillinge“ werden die zwei schon leicht spöttelnd genannt. Selbstverständlich ist Kardinal Marx dabei, wenn am Dienstag in Wittenberg die EKD mit einem Gottesdienst an die Veröffentlichung von Luthers Thesen vor 500 Jahren erinnert und so das Reformationsgedenken abschließt.

Erstmals haben evangelische Kirchen einen runden Geburtstag nicht in Abgrenzung zur katholischen Mutter gefeiert. Stattdessen wurden Gemeinsamkeiten und die gemeinsame Mission der Christen in einer zunehmend entchristlichten Gesellschaft betont.

Nach Lutherdekade und Gedenkjahr reicht es jetzt aber mit Luther. Von einem „Gedenk-Overkill“ schrieb der „Tages-spiegel“, der katholische Theologe Thomas Söding merkte an, dass Luther oft zu einer „riesen Projektionsfigur“ gemacht würde, als hätten alle Errungenschaften der Moderne erst mit ihm begonnen.

Dennoch: Das Reformationsgedenken brachte historische Ereignisse. Zum Auftakt des Gedenkjahres reiste Papst Franziskus zu einem Gottesdienst zum Lutherischen Weltbund nach Lund. Früher unvorstellbar. War für Luther doch das Papsttum vom Teufel gestiftet. Dann pilgerten katholische und evangelische Kirchenrepräsentanten zu den Quellen des Christentums ins Heilige Land. Freilich ohne gemeinsam Abendmahl oder Eucharistie zu feiern. Und in der Fastenzeit baten beide Kirchen in einem Gottesdienst um Vergebung für die Sünden, die man sich gegenseitig zugefügt hat. Und das waren nicht gerade wenige. Wie erbittert, buchstäblich bis aufs Blut, hatten sich beide Kirchen doch bekämpft.

Die Harmonie ist mittlerweile so groß, dass der katholische Ökumenebischof Gerhard Feige in einem Interview bekannte, dass er das Reformationsgedenken „inzwischen auch mitgefeiert“ habe – dabei hatte die katholische Seite argwöhnisch darauf geachtet, dass stets von Reformationsgedenken, aber keinesfalls von -feier die Rede war. Das Vertrauen ist also gewachsen. Aber wie geht es weiter?


Was ist das Ziel der Ökumene?

Die trennenden Fragen bleiben. Im Verständnis des Weiheamtes und des Abendmahls sind evangelische und katholische Kirche am Ende des Lutherjahres so weit voneinander entfernt wie zuvor. Auch in der Frage nach dem Ziel der Ökumene. Für die katholische Kirche muss es einen Konsens in den großen Fragen geben – erst Kircheneinigung, dann gemeinsames Mahl. Das sehen die evangelischen Glaubensgeschwister anders. Vielen reicht das jetzige Maß der „versöhnten Verschiedenheit“.

Für konfessionverschiedene Ehen könnten die deutschen katholischen Bischöfe schon im Frühjahr 2018 den nächsten Schritt gehen und ihnen Wege zur gemeinsamen Mahlfeier aufzeigen. Der große ökumenische Wurf aber steht aus – er kann nur langsam in theologischen Gesprächen zwischen Rom und den evangelischen Kirchen erarbeitet werden. Und das wird noch viele Jahre dauern.

Von Ulrich Waschki