31.08.2017

Ordensfrau in Kanada nimmt Eheversprechen entgegen

Trauung durch Laien

In Kanada hat kürzlich eine Ordensfrau das Eheversprechen eines Brautpaares entgegengenommen. Eine Ausnahme, weil es zu wenig Priester oder Diakone gibt. Trauung durch Laien: ein Modell auch für Deutschland?


Foto: kna
Die Hände von der Stola umwunden: Priester oder Diakon segnen den Ehebund. Foto: kna

 

Diesen Tag wird Schwester Pierrette Thiffault wohl nie vergessen. Sie sei „glücklich und stolz“, sagte sie, als er vorbei war. Die kanadische Ordensfrau hatte in dem Örtchen Lorrainville, 650 Kilometer westlich von Montreal, eine Trauung in einer Dorfkirche geleitet. 

Normalerweise dürfen das nur Priester oder Diakone. Schwester Pierrette aber war von Dorylas Moreau, dem Bischof der Diözese Rouyn-Noranda, damit beauftragt worden. Die Diözese ist gut 24 000 Quadratkilometer groß, also etwas größer als Mecklenburg-Vorpommern; sie hat aber nur 16 Priester, die 35 Pfarreien betreuen müssen. Diakone, sagte der Bischof, gebe es auch nicht. Deshalb bekam er aus dem Vatikan eine Sondererlaubnis für die Ordensfrau als Leiterin der Trauung.

„Ein schöner Schritt vorwärts für die Frauen in der Kirche“

Ihr Auftrag sei „ein Experiment für die katholische Kirche“, sagte Schwester Pierrette dem „Catholic News Service“. Und er sei „gut für die Diözese“ gewesen, „ein schöner Schritt vorwärts für Frauen in der Kirche“. Sollte sie noch einmal in dieser Rolle gebraucht werden, würde sie sich freuen, sagte die Ordensfrau. Bischof Moreau aber betonte: „Das war eine Ausnahmesituation, nicht die Regel.“ Laut Kirchenrecht kann ein Diözesanbischof nach einer Stellungnahme der Bischofskonferenz und mit Erlaubnis des Vatikans einen geeigneten Laien beauftragen, den Traugottesdienst zu leiten – sofern Priester und Diakone fehlen. Erlaubt ist das auch deswegen, weil sich die Brautleute das Sakrament der Ehe gegenseitig spenden; der Leiter des Traugottesdienstes assistiert nur.

In Deutschland gibt es dafür bislang noch keinen Bedarf

Auch in Deutschland wird viel über den zunehmenden Priestermangel diskutiert und über die Frage, wie er aufzufangen ist. Der Fall von Schwester Pierrette wird hier aber noch nicht als Modell mit Zukunft gesehen. Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, sagt, die Bischofskonferenz habe sich mit dem Fall aus Kanada bisher noch nicht befasst. 

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller, Professor an der Universität Münster, sagt, bisher sehe er dafür auch noch keinen Bedarf: „Noch haben wir die Notsituation nicht.“ Vielerorts gebe es genug Diakone – sowie ältere, noch rüstige Priester, die aushelfen können. Wenn sie nicht einspringen würden, gäbe es in manchen Regionen Deutschlands heute schon ein Problem, sagt Schüller: „Das wird sich in den nächsten zwei, drei Jahrzehnten noch verschärfen.“ Er könne sich „vorstellen, dass dann der eine oder andere Bischof von dieser Möglichkeit Gebrauch macht“. Dass mancherorts also die Leitung von Traugottesdiensten an Laien delegiert wird.

Fest steht für Thomas Schüller, dass die Kirche niemals ein heiratswilliges Paar wegen Personalmangels zu lange warten lassen sollte. „Wenn Leute schon den Wunsch haben, ihre Ehe vor Gott zu schließen, dann sollte die Kirche ihnen das auch ermöglichen“, sagt er. „Dafür ist dieses Sakrament einfach zu wichtig, als dass man die Leute im Regen stehen lassen könnte.“ 

Aber noch ist es nicht so weit, darin ist man sich offenbar einig. So sagt auch Christian Hennecke, Leiter des Seelsorgeamts im Bistum Hildesheim, die Frage nach Frauen als Leiterinnen von Trauungen sei „im Moment nicht unsere Herausforderung“. Er fügt an: „Fragen Sie mich mal in 20 Jahren.“ Wenn die Not in Deutschland mal so groß werde, wie sie jetzt in der kanadischen Diözese war, „dann kann man neu überlegen“. Im Kern, so Hennecke, gehe es dabei aber nicht um die Frage, ob eine Frau oder ein Mann eine Trauung leiten, sondern um die Frage, ob ein Kleriker das tun muss oder auch ein Laie es tun darf. 

„Eine solche Eheschließung darf keine Trauung zweiter Klasse werden“

Domkapitular Berthold Bonekamp, Personalreferent und stellvertretender Generalvikar im Erzbistum Hamburg, sagt, über die Sinnhaftigkeit der Eheassistenz von Laien könne diskutiert werden: „Eine solche Eheschließung darf nicht als Trauung zweiter Klasse bewertet werden.“ 

Zurzeit ist das in der Praxis aber auch hier noch kein Thema. Im Erzbistum Hamburg lassen sich pro Jahr rund 600 Paare trauen, also weniger als zehn pro Jahr und Pfarrei – bei derzeit 144 Priestern und 53 Diakonen. Engpässe wie in der kanadischen Diözese gebe es also nicht, sagt Bonekamp: „Derzeit müssen wir an der gängigen Praxis nichts ändern.“

Von Andreas Lesch

 

Zur Sache

Die katholische Form der Eheschließung

Nach katholischer Lehre spenden sich die Brautleute das Sakrament der Ehe gegenseitig, indem beide Partner ihren Willen bekunden, die Ehe einzugehen. Sie tun dies vor einem Priester oder Diakon, der ihren Konsens im Namen der Kirche entgegennimmt und über ihren Ehebund auch den Segen spricht, und vor zwei Zeugen. 

Diese verbindliche Form der Eheschließung wurde durch das Konzil von Trient (1545-63) eingeführt, um die im Mittelalter verbreiteten sogenannten geheimen Ehen zu verhindern, wodurch es manchmal zu Doppelehen oder zu willkürlichen Eheauflösungen kam.