19.07.2017

Neuer Weg zur Selig- und Heiligsprechung

Selig ist, wer sein Leben gibt für andere

„Wege zu Gott gibt es so viele wie Menschen“, sagte Papst Benedikt XVI. einmal. Einen neuen Weg für eine Selig- und Heiligsprechung hat sein Nachfolger Franziskus beschrieben: die Selbsthingabe des eigenen Lebens aus Liebe für andere.


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Gab sein Leben für andere: Damian de Veuster. Wandrelief von Beate Heinen (1990) in Lahnstein/Rh.
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Der polnische Ordenspriester Maximilian Kolbe wurde 1971 für sein tugendhaftes Leben selig gesprochen. Seine Heiligsprechung 1982 hingegen wurde mit dem Martyrium im KZ Auschwitz begründet. Solche unterschiedlichen Bewertungen gebe es immer wieder in Seligsprechungsverfahren, erläuterte der Rektor der Päpstlichen Lateranuniversität, Enrico Dal Covolo, in Radio Vatikan. Deshalb hat Papst Franziskus in Absprache mit der Kongregation für die Heiligsprechungen nun – neben heroischem Tugendgrad und Martyrium – einen dritten Weg für das Verfahren einer Selig- oder Heiligsprechung eröffnet: die Selbsthingabe.

Ein treffenderes Beispiel dafür als das von Pater Kolbe bietet Damian de Veusters Einsatz für die Leprakranken auf der hawaiianischen Insel Molukka'i (1873–1889). Der Flame starb an der Lepra. Ähnlich erging es sechs Ordensschwestern 1995 im Kongo, die sich bei der Pflege von Ebola-Kranken infiziert hatten. Für sie, so Prälat Helmut Moll, Beauftragter für Seligsprechungsverfahren im Erzbistum Köln, könnte nach dem neuen Kriterium ein Verfahren eröffnet werden. Ein weiteres Beispiel: 1998 sprach Johannes Paul II. einen Militärseelsorger selig, der 1941 bei der Pflege von Verwundeten erschossen wurde.


Helfersyndrom und Leichtsinn sind kein Weg zur Heiligkeit

„Eine größere Liebe hat niemand, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“, sagt Jesus im Johannesevangelium (15,13). Mit dem Zitat beginnt der Erlass „Maiorem hac dilectionem“ (eine größere Liebe), durch den der Papst die Verfahrensordnung für Selig- und Heiligsprechungen geändert hat.

Fünf Kriterien müssen gegeben sein, damit ein katholischer Christ aus diesem Grund seliggesprochen werden kann: Die Selbsthingabe muss frei und freiwillig geschehen, aus Liebe zu Gott und zum Nächsten – mit dem sicheren Tod vor Augen. Zwischen Selbsthingabe und frühzeitigem Tod muss ein Zusammenhang bestehen. Zudem muss für eine Seligsprechung ein Wunder nachgewiesen werden, das eingetreten ist, nachdem der Gestorbene um Hilfe angerufen worden ist. Schließlich soll der Kandidat ein tugendhaft christliches Leben geführt und ein Verlangen nach Heiligung gezeigt haben. Diese Kriterien sollen ausschließen, dass jemand aus religiösem Wahn seinem Leben ein Ende setzt. Zudem wird christliche Selbsthingabe klar abgegrenzt von religiös fanatisierten Selbstmordattentätern, die ihrem Leben ein Ende setzen aus Hass auf andere und sich als „Märtyrer“ bezeichnen.

Viele Menschen setzen sich in extremer Weise für andere ein: Pfleger und Ärztinnen für Patienten mit hochinfektiösen Krankheiten, Feuerwehrleute, Seenotretter. Alle setzen sich großen Risiken aus. Das entbindet sie nicht davon, Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. Ein Helfersyndrom gepaart mit schierem Leichtsinn ist kein Weg, von der Kirche seliggesprochen zu werden.

Dieses Prädikat erkennt die Kirche Menschen zu, deren Glauben sie für vorbildhaft und die sie als Christen für verehrungswürdig hält. Einsatz für andere aus Nächstenliebe ist schlicht ein Weg in der Nachfolge Jesu. Für jeden Christen.

Von Roland Juchem