15.01.2018

Weltflüchtlingstag

Papst fordert, Ängste zu überwinden

Ängste und Sorgen sind berechtigt, doch sie dürfen uns nicht hindern, Menschen zu helfen, fordert der Papst zum Weltflüchtlingstag.

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Zum Weltflüchtlingstag feierte Papst Franziskus im Petersdom einen Gottesdienst mit Migranten und Flüchtlingen. Foto: kna


Papst Franziskus hat anlässlich des katholischen "Welttags des Migranten und des Flüchtlings" zur Überwindung von Ängsten aufgerufen. Zweifel und Befürchtungen zu haben, sei keine Sünde; es sei jedoch Sünde, "zuzulassen, dass diese Ängste unsere Antworten bestimmen", sagte das Kirchenoberhaupt am Sonntag im Petersdom. Der Papst wandte sich in seiner Predigt ausdrücklich an beide Seiten und nahm Migranten, Flüchtlinge und Asylsuchende ebenso in die Pflicht wie Aufnehmende. Man dürfe nicht zulassen, dass Ängste "den Respekt und die Großherzigkeit in Mitleidenschaft ziehen, die Ablehnung nähren und Hass schüren".

Es gelte, gemäß dem christlichen Gebot der Nächstenliebe "den anderen, den Fremden zu lieben wie uns selbst", sagte Franziskus. Eine echte Begegnung müsse über die Aufnahme hinausgehen und auch schützen, fördern und integrieren. Zu den Ankömmlingen sagte der Papst, sie sollten die Gesetze, die Kultur und die Traditionen der Aufnahmeländer kennenlernen und achten. Den örtlichen Gemeinschaften gab er mit, "sich ohne Vorurteile dem Reichtum der Verschiedenheit zu öffnen, die Möglichkeiten und Hoffnungen der Neuangekommenen zu verstehen wie auch ihre Verletzlichkeit und ihre Furcht".

 

Papst: Verständnis für die Sorgen auf beiden Seiten

Der Gottesdienst im Petersdom wurde durch Gesänge und Musik in verschiedenen Sprachen begleitet; neben dem Altar waren die Flaggen von 49 Ländern zu sehen. An der Messe nahmen laut Vatikanangaben auch mehrere tausend Migranten und Flüchtlinge teil; einige von ihnen trugen landestypische Kleidung. Die Fürbitten wurden von Menschen aus Nigeria, China, Indien, der Ukraine und Äthiopien gesprochen.

Franziskus äußerte Verständnis für die Sorgen beider Seiten. In örtlichen Gemeinden könne es etwa die Befürchtung geben, "dass die Neuangekommenen die festgesetzte Ordnung stören", Flüchtlinge und Migranten hingegen könnten Auseinandersetzungen, Vorurteile, Diskriminierung und ein Scheitern fürchten. Alls dies sei "menschlich gesehen völlig verständlich", so der Papst. Es sei jedoch falsch, aufgrund dieser Zweifel Barrieren zu errichten: "Es ist Sünde, auf die Begegnung mit dem anderen, mit dem Außenseiter, mit dem Nächsten zu verzichten, ist sie doch wirklich eine bevorzugte Gelegenheit zur Begegnung mit dem Herrn."

Franziskus beging mit dem Gottesdienst den 104. katholischen "Welttag des Migranten und des Flüchtlings". Er steht unter dem Motto "Die Migranten und Flüchtlinge aufnehmen, beschützen, fördern und integrieren". In einer dazu bereits im Sommer veröffentlichten Botschaft hatte Franziskus für Betroffene mehr Möglichkeiten einer sicheren und legalen Einreise gefordert. Zugleich wandte er sich gegen kollektive Ausweisungen, vor allem in Länder, die die Achtung der Würde und der Grundrechte nicht gewährleisten könnten.

kna