26.07.2017

Kirchliche Statistik 2016

Mehr Taufen, viele Austritte

Weniger Katholiken, aber auch weniger Austritte und mehr Taufen – die kirchliche Statistik für 2016 hält Licht und Schatten bereit. Ein genauer Blick zeigt: Die Lage der Kirche ist so schlecht nicht. Das Potenzial jedenfalls ist enorm.


Foto: kna
Mit dem Sakrament der Taufe beginnt das Leben als Christ und gleichsam das Leben als Mitglied einer Kirche und Gemeinde. Foto: kna


Man braucht keine Statistik, um zu sehen, dass die Kirche schrumpft. Wer über Jahre die Gottesdienste seiner Gemeinde besucht, sieht das. Vergangene Woche dokumentierte die kirchliche Statistik die Entwicklung. Danach haben die katholische und evangelische Kirche in Deutschland vergangenes Jahr 530 000 Mitglieder verloren. Immer noch gehören aber 58,3 Prozent der Menschen in Deutschland einer christlichen Kirche an. Bei beiden Kirchen deutlich gesunken, aber weiter auf hohem Niveau, ist die Zahl der Austritte: 2016 verließen 162 000 Menschen die katholische Kirche, fast 20 000 weniger als im Vorjahr.

Der Rückgang der Kirchenmitglieder hat aber vor allem eine demografische Ursache: 243 000 Beerdigungen zählte die Kirche 2016. Die Zahl der Taufen, Eintritte und Wiederaufnahmen kann Verstorbene und Ausgetretene nicht ausgleichen, so dass die katholische Kirche 2016 unterm Strich rund 180 000 Mitglieder verlor. Allerdings: Die Taufen sind im Vergleich zum Vorjahr um 4300 auf 171 500 gestiegen. Rund drei Viertel aller Kinder, die mindestens ein katholisches Elternteil haben, werden auch getauft. Und fast alle getauften Kinder gehen später zur Erstkommunion. Und so bitter jeder Austritt ist, bei mehr als 23 Millionen Katholiken ist ein Austrittsanteil von rund 0,7 Prozent vergleichsweise gering. Trotz des negativen Gesamttrends sind die Bindekraft und das Potenzial für die Kirche also sehr groß.


Rekord bei Kirchensteuern

Dass Statistiken nur begrenzte Aussagekraft haben, wird mit einem Blick auf die Zahl zum Kirchenbesuch deutlich. Laut Statistik gehen nur zehn Prozent der Katholiken zur Messe. Für viele der Beleg, wie desaströs die Lage ist. Ermittelt wird dieser Wert allerdings nur an zwei Sonntagen im Jahr. Unregelmäßige Kirchgänger werden also gar nicht erfasst. Eine repräsentative Umfrage für die Stadt Osnabrück etwa ergab, dass ein Drittel der Katholiken dort mindestens einmal monatlich in den Gottesdienst geht. Die offizielle Statistik zählt aber auch hier gerade einmal gut neun Prozent. Die Kirchenbindung hat sich verändert – heute fühlen sich auch Menschen der Kirche zugehörig, die nicht jeden Sonntag in die Messe gehen. Die Herausforderung für die Kirche ist, die nur locker Verbundenen zu halten, ihnen immer wieder Anknüpfungspunkte zu geben und sie davon zu überzeugen, dass Glaube und Kirche eben doch gut für das eigene Leben sind. Im besten Sinne Dienstleistungskirche.

Trotz des Mitgliederschwunds erreichten die Kirchensteuereinnahmen der katholischen Bistümer 2016 mit 6,1 Milliarden Euro einen neuen Rekord. Das liegt an der guten wirtschaftlichen Entwicklung; mehr Menschen arbeiten, verdienen Geld und zahlen (Kirchen-)Steuer.

Von Ulrich Waschki