14.06.2017

Politisch korrekte Sprache in der Kirche

Lasst uns loben, Schwestern loben

Die sogenannte „geschlechtergerechte Sprache“ ist ein Aufreger, auch in der Kirche. Mit „Brüdern“ sind doch alle gemeint! Mit „Schwestern“ auch? Ein sensibles Thema, das sich auch im neuen Gotteslob und in der neuen Einheitsübersetzung niederschlägt. Was ist Sinn und was ist Unsinn?


Foto: Stephanie Jegliczka
"Lasst uns loben, freudig loben" heißt es im neuen Gotteslob und nicht mehr: "Lasst uns loben, Brüder loben"
Foto: Stephanie Jegliczka

 

Welcher Mann würde da lauthals mitsingen, wenn im Sonntagsgottesdienst angestimmt wird: „Lasst uns loben, Schwestern, loben ...“ Klingt  komisch, irgendwie. Überhaupt nicht komisch war dagegen dasselbe Lied mit „Brüder“ – ein echter Kirchenschlager, der seit den 1960er Jahren gern gesungen wurde. Auch von Frauen. War halt normal. Genauso wie das „Guten Morgen, meine Herren“, mit dem Professoren ihre Studenten in der Vorlesung begrüßten. Studentinnen waren mitgemeint.

Heute ist das nicht mehr normal – und das ist auch gut so. Gut ist, dass man darauf achtet, nicht nur immer eine Hälfte der Menschheit direkt anzusprechen. Gut ist, dass deutlich wird: Ärztin, Richterin, Schornsteinfegerin – das ist auch etwas für Frauen, es ist normal, wenn Frauen das werden. „Sprache schafft Bewusstsein“ – da ist was dran. 

Was in der Gesellschaft schon lange üblich ist, ist auch in der Kirche angekommen und man achtete etwa bei der Herausgabe des neuen Gotteslob im Jahr 2013 auf „gerechte Sprache“. Und so loben heute nicht „Brüder“ oder „Schwestern“, sondern alle loben „freudig“ (GL 489). Wir feiern auch nicht mehr das „brüderliche Mahl“, sondern das „österliche“ (GL 184) und wollen nicht mehr „wie Brüder“ sein, sondern „Geschwister“ (GL 487). Was ist daran schlimm, mag man diejenigen fragen, die sich darüber aufregen und „Anpassung an den Zeitgeist“ wittern.

 

Darf man Paulus „Schwestern“ in den Mund legen?

Auch bei der im Herbst 2016 erschienenen Neuübersetzung der Bibel war die gerechte Sprache ein Thema. Kontrovers diskutiert wurde, ob man sogar in den vorgegebenen Text eingreifen darf. „Man darf“, setzte sich durch, etwa in den neutestamentlichen Briefen. An einigen Stellen lässt Paulus in den Text die Anrede „adelphoi“, Brüder, einfließen. Aus dem Zusammenhang geht aber hervor, dass er die ganze Gemeinde anspricht. Deshalb heißt es entgegen dem Urtext demnächst in den neuen Lektionaren: „Ich ermahne euch, Brüder und Schwestern, haltet fest am Glauben!“ Gerecht, auch die Schwestern zu mahnen.

Andererseits gibt es zweifellos sprachliche Auswüchse. Unlesbarkeiten, wenn von „ChristInnen“ die Rede ist, Prinzipienreiterei, wenn bei Arbeiten in „unsensibler Sprache“ den „Studierenden“ Punkte abgezogen werden. Dagegen macht sich zu Recht Protest breit.

Und es kann regelrecht albern werden, wie bei der sicher gut gemeinten, aber schlecht gemachten „Bibel in gerechter Sprache“, die 2006 von 42 Frauen und zehn Männern vorgelegt wurde. Wenn Gott bei der Taufe Jesu nicht mehr „Dies ist mein geliebter Sohn“ sagen darf, weil „Kind“ geschlechtsneutral ist, ist das lächerlich. „Wenn das hebräische „Adonai“, also „Herr“, als Gottesanrede ersetzt wird durch „der/die Ewige“, „der/die Heilige“, „Er“/„Sie“, „der/die Eine“ („Wählen Sie bitte selbst“), hat man keinen Bibeltext mehr, sondern ein abschreckendes Beispiel. Und wenn Jesus Gott statt „Vater“ mit „Du Gott, bist uns Vater und Mutter im Himmel“ anreden muss, ist das ein frecher Eingriff. Zu Recht hat die Deutsche Bischofskonferenz diese Übersetzung für katholische Gottesdienste abgelehnt. 

Von Susanne Haverkamp