31.08.2017

Anfrage

Hat ein Kirchenaustritt Folgen für die Taufe?

Wenn es heißt, jemand sei aus der Kirche ausgetreten, bin ich irritiert: Ist es nicht so, dass uns in der Taufe ein unauslöschliches Siegel eingeprägt wird? Was geschieht damit, wenn jemand keine Kirchensteuer mehr zahlen will oder nicht mehr in die Kirche geht? E. S., Hannover


Die Taufe ist einmalig; sie ist nicht wiederholbar und auch nicht rückgängig zu machen. Deshalb bleibt ein Getaufter immer Christ, wie sein Leben auch verläuft. 

Was allgemein unter Kirchenaustritt verstanden wird, hat im weltlichen Recht und im Kirchenrecht unterschiedliche Folgen. Für den Staat wird mit der Austrittserklärung quasi eine Mitgliedschaft beendet, das heißt, es werden zum Beispiel keine Kirchensteuern mehr erhoben. 

Aber die Kirche sieht sich nicht als Verein, bei dem man die Mitgliedschaft einfach kündigen kann, etwa um den Mitgliedsbeitrag zu sparen. Auch wird die Kirchensteuer nicht als Mitgliedsbeitrag gesehen. Für das Kirchenrecht ist theologisch daher ein solcher „Kirchenaustritt“ nicht vorgesehen, weil es keine Rücknahme der Taufe gibt. 

Wer durch sein Verhalten oder gar juristisch formell seinen Austritt erklärt, wendet sich zwar von der Gemeinschaft ab, zu der er gehört hat. Er verliert die Rechte, die aus der Gemeinschaft hervorgehen: Er darf zum Beispiel die Kommunion nicht mehr empfangen oder ein anderes Sakrament. Er bleibt aber Christ. 

Die deutschen Bischöfe haben 2006 erklärt: „Nach dem Austritt wird sich die Kirche durch den zuständigen Seelsorger um eine Versöhnung mit der betreffenden Person und um eine Wiederherstellung ihrer vollen Gemeinschaft mit der Kirche bemühen.“ Das ist vielleicht vergleichbar mit einem Familienmitglied, das sich von seiner Familie im Streit losgesagt hat, nicht mehr zu Familienfeiern kommt, aber dennoch biologisch immer Sohn oder Tochter eines Elternpaares bleibt. Die Hoffnung auf Versöhnung bleibt, auch in der Kirche.

Von Michael Kinnen