15.11.2017

Themenwoche "Gottes Bestseller. Die Bibel"

Gottes Redewendungen

Viele Sprichwörter, die wir heute noch benutzen, gehen auf die Bibel zurück. Aber woher kommen sie genau? Eine kleine Auswahl geflügelter Worte mitsamt biblischem Hintergrund und heutiger Bedeutung.


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Sich die Schuld von den Fingern zu waschen, hat schon Pilatus vergeblich versucht. Foto: imago


„Das ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln“

Bedeutung: Das verstehe ich überhaupt nicht!“

Biblischer Hintergrund: m letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, beschreibt der Autor eine Vision, in der „der, der auf dem Thron saß“ (Gott) „dem Lamm“ (Jesus) eine mit sieben Siegeln verschlossene Buchrolle übergibt (Offb 5,1ff). Nur er allein ist würdig, sie zu öffnen. Als er die Siegel eins nach dem anderen bricht, setzt er den Untergang der Welt in Gang. Dieses machtvolle versiegelte Buch wurde zum Symbol für jedes Wissen, das jemandem aus welchen Gründen auch immer unzugänglich ist. Ein Aufbrechen der sprichwörtlichen Siegel vor diesem Wissen hat allerdings harmlosere Folgen als im biblischen Original.


„Mit Engelszungen reden“

Bedeutung: Jemanden sehr behutsam von etwas zu überzeugen versuchen.

Biblischer Hintergrund: Im 1. Brief des Paulus an seine Gemeinde in Korinth finden wir das besonders bei Hochzeiten beliebte „Hohelied der Liebe“. Vers 13,1 lautet: Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Den Engeln als Boten Gottes wird eine große Überzeugungskraft zugesprochen. Schließlich ist das, was sie zu sagen haben, das direkt überbrachte Wort Gottes. Diese Überzeugungskraft der Engel zu besitzen, wäre in vielen Situationen schon nicht schlecht, oder?


„Wie mit Blindheit geschlagen sein“ und „Im Dunkeln tappen“

Bedeutung: Obwohl man biologisch gesehen sehfähig ist, nimmt man manchmal bestimmte Dinge einfach nicht wahr, so als ob man auf irgendeine Weise sichtblockiert wäre. Dann kann es eben auch sein, dass man sich trotz heller Beleuchtung so verhält, als wäre es dunkel um einen, dass man einfach nichts sieht, kapiert, keine Ahnung hat.

Biblischer Hintergrund: Im Buch Deuteronomium werden die Weisungen und Gesetze, die bereits in Exodus, Levitikus, Numeri aufgeschrieben wurden, für eine neue Zeit neu erzählt. Diese beiden Sprachbilder sind aus der Zusammenfassung dieser Gesetzesschrift entlehnt. Sie stammen aus dem Kapitel, das die negativen Folgen der Missachtung von Gottes Gesetz beschreibt. Wer Gottes Weisungen nicht achtet, der versetzt sich selbst in einen gottfernen Zustand, der lebensfeindlich und deshalb finster ist. (Dtn 28,28f)


„Ich wasche meine Hände in Unschuld!“

Bedeutung: Für etwas nicht die Verantwortung übernehmen wollen, jede Schuld von sich weisen.

Biblischer Hintergrund: Die bekannteste Bibelstelle zu diesem Sprichwort ist wohl Mt 27,25, wo Pontius Pilatus bei der Verurteilung Jesu seine Hände mit diesem Spruch wäscht, um jede Verantwortung für dessen Tod von sich zu weisen. Aber auch im Alten Testament kommt diese Redewendung vor, etwa im Psalm 73,13. Es ist wohl eine alte jüdische Redewendung, die möglicherweise auf ein frühes Sühneritual zurückgeht.


„Stell dein Licht nicht unter den Scheffel!“

Bedeutung: Sei stolz auf das, was du kannst und zeige es!

Biblischer Hintergrund: Dieser Satz geht auf Jesus selbst zurück (Mt 5,14-16). Immer wieder hat er Dinge mitten aus dem alltäglichen Leben genommen, um seinen Zuhörern etwas über das Reich Gottes zu erklären. Der Zusage „Ihr seid das Licht der Welt.“ lässt er folgen: „Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus.“ Völlig klar eigentlich, so ganz praktisch betrachtet. Aber ist diese Haltung übertragen auf uns nicht angeberisch oder eitel? Nein. Das, was wir gut können, soll nicht versteckt werden, sondern gezeigt, damit es allen nützen kann. Der „Scheffel“ (das Gefäß) kommt übrigens aus der Lutherübersetzung der Bibel.


„Keine Perlen vor die Säue werfen“

Bedeutung: Nicht etwas Wertvolles, Wichtiges an jene verschwenden, die es nicht zu schätzen wissen.

Biblischer Hintergrund: Auch wenn das Sprachbild sich auch in unserem Kulturkreis von selbst versteht, schwingt in der Aussage Jesu (Mt 7,6) noch eine weitere Dimension mit: Schweine gehören zu den unreinen Tieren der Juden. Der Verzehr von Schweinefleisch ist verboten. Wer mit Schweinen Umgang hatte, ist nicht kultfähig. Wenn ich also befürchten muss, dass das, was ich an Wertvollem, an Heiligem anzubieten habe, von meinem Gegenüber nicht nur abgelehnt, sondern verachtet und in den Dreck gezogen wird, also entweiht wird, tue ich dem Wertvollen, Heiligen keinen guten Dienst.


„Der Mensch denkt und Gott lenkt!“

Bedeutung: Wir Menschen können vieles denken und planen. Doch ob all das Wirklichkeit wird, ist unsicher. Oft kommt es anders. So, wie es eben nur Gott kennt.

Biblischer Hintergrund: Dieses Sprichwort finden wir in der Sprichwortsammlung (Spr 16,9) der Bibel. Vollständig lautet es dort: „Des Menschen Herz plant seinen Weg, doch der Herr lenkt seinen Schritt.“


„Jemandem sein Herz ausschütten“

Bedeutung: Sich bei jemandem offen aussprechen, alle Gefühle herauslassen

Biblischer Hintergrund: Die Redensart vom „Herz ausschütten“ finden wir in der Bibel öfter: So verteidigt sich die betende Hanna im 1. Samuelbuch dem Vorwurf des Priesters Eli gegenüber, sie sei betrunken, mit den Worten: „Ich habe nur Gott mein Herz ausgeschüttet!“ (1 Sam 1,15). Im Psalm 62 lesen wir: „Vertrau ihm, Volk (Gottes), zu jeder Zeit! Schüttet euer Herz vor ihm aus! Denn Gott ist unsere Zuflucht.“ Wem, wenn nicht Gott, können wir wirklich unser ganzes Herz ausschütten?

Von Susanne Deininger