08.11.2017

Themenwoche "Gottes Bestseller. Die Bibel"

Gigantisch multimedial

40 000 Quadratmeter. Flugsimulator. Theater. Disney-Animationen. Historische Exponate. Das neue Bibelmuseum, das in dieser Woche in Washington eröffnet wird, sprengt alle Maßstäbe. Und ist sicher einen Besuch wert.


Foto: Museum of the bible
So soll ein Dorf zur Zeit Jesu ausgesehen haben. Im Washingtoner Bibelmuseum kann man hindurchschlendern. Foto: museum of the bible


Das Museum ist ein Erlebnis für alle Sinne. So viel davon, dass die „Washington Post“ „viel Techno und wenig Jesus“ ausmachte. Doch für den Kurator des Bibelhauses, David Trobisch, geht es darum, das Buch der Bücher einer zunehmend areligiösen Gesellschaft näherzubringen. Das Neue Testament ist davon nur ein kleiner Teil.

Disney-Animateure taten ihr Bestes, um etwa das Innenleben der Arche Noah sinnlich zu vermitteln. Tiere sind zu sehen, dazu knarren hölzerne Schiffsplanken. Noah als Hightech-Simulation – museumspädagogisch modern und wissenschaftlich fundiert, denn die Techniker setzen nur um, was Bibelspezialisten vorgaben.

Trobisch, Sohn eines deutschen Vaters, der in Heidelberg studiert hat und an der Yale-
Universität Evangelische Theologie lehrt, konnte aus 140 000 Exponaten auswählen. Auf den acht Etagen eines entkernten ehemaligen Kühlhauses fand er reichlich Platz für seine Ideen.

Foto: museum of the bible
Das Eingangsportal schmücken
die ersten 80 Verse des Buches
Genesis original nach der Gutenberg-Bibel.
Foto: museum of the bible

Das Museum, das nur drei Straßenblöcke vom US-Kongress entfernt liegt, präsentiert die Entstehung der Bibel, ihre Erzählungen und ihre Wirkungsgeschichte. Gezeigt werden aber auch kuriose Einzelstücke wie die Bibel Elvis Presleys oder jene, die Apollo-14-Astronaut Edgar Mitchell bei seinem Mondflug mitnahm – so klein, dass sie nur mit der Lupe zu lesen ist.

Viel Raum ist der Wirkungsgeschichte der Bibel gewidmet. „Die Idee, zwei oder drei Zeugen zu haben, kommt aus der Bibel“, nennt Pressesprecher Jeremy Burton ein Beispiel. „Sie ist heute in unserem Justizsystem verankert.“ Für einen Aha-Effekt sorgen auch die 15 000 Anspielungen auf die Bibel allein in Shakespeares Werk.

Gründervater des Bibelmuseums ist Steve Green, ein evangelikaler Christ aus Oklahoma City, der als Unternehmer Milliarden verdiente und geschätzt 500 Millionen Dollar in das Projekt steckte. Mit seinen 40 000 biblischen Exponaten dürfte Green weltweit der größte Sammler zur Geschichte des Buches sein. Was er über Jahre zusammengetragen hat, liefert den Grundstock des Museums, darunter die originale „King James Bible“ von 1611, die einflussreichste englischsprachige Übersetzung.

Der 75-jährige Green versteht das Museum als Ort, der Menschen die heiligen Schriften näherbringt oder sie mindestens dafür neu interessiert. Aber nicht als Monument für seine eher fundamentalistischen Glaubensgeschwister. Kurator Trobisch betont, der Ansatz sei ökumenisch.So darf der Vatikan Teile des Museums belegen, und auch mit Israel existiert ein Abkommen. Immerhin beherbergt das Haus die größte Sammlung von Tora-Schriftrollen weltweit.


Unterhaltsam und kostenfrei

Was aber vor allem für massenhaft Besucher sorgen soll, ist der multimediale Ansatz. Per Flugsimulator schwebt der Besucher über Washington auf der Suche nach biblischen Inschriften an der Union Station, dem Capitol oder dem Supreme Court. Im hauseigenen Theater steht das Musical „Amazing Grace“ auf dem Spielplan. Tablets führen in zehn Sprachen durch das Haus. Und Entspannung bieten ein „biblischer Dachgarten“ sowie das Restaurant „Manna“ und das Café „Milk and Honey“.

Am 17. November öffnet das Museum erstmals seine goldene Pforte, der Eintritt ist dauerhaft frei. Und schon jetzt ahnt man, dass es eine neue Attraktion in Washington wird: für Einheimische wie für Touristen.
Museum of the Bibel. Geöffnet ab 17. November 2017. Adresse: 409 3rd Street SW, Washington DC. www.museumofthebible.org

Von Bernd Tenhage