15.11.2017

Christliche Partnervermittlung

Gesucht - gefunden

„Sie schafft mit emsigen Händen.“ Das, was die Bibel als „Lob für die tüchtige Frau“ singt, klingt verstaubt. Aber welche Werte zählen dann heute bei der Partnersuche? Und wonach suchen insbesondere Christen?


Foto: Andreas Kaiser
Tobias Zschöckner mit Ehefrau Ljuba und Tochter Amalia. Das Baby Ruben kuschelt sich in Mamas Arm. Foto: Andreas Kaiser


Tobias Zschöckner ist ein ernsthafter Mensch. Der gelernte Maschinenbauer ist Ingenieur bei einem DAX-notierten Energie-Unternehmen. Nebenbei betreibt er die Singlebörse „christliche-partnersuche.de“ sowie die Internet-Community „himmlisch-plaudern.de“. Das erste christliche Netzwerk hat er bereits 2008 ins Leben gerufen. „Auch aus eigenem Interesse“, wie er sagt. Er war damals auf der Suche nach einer christlichen Partnerin. Doch das war gar nicht so leicht. „Man will sich ja kein Schild auf die Stirn kleben.“ Auch krampfhaft auf Freizeiten zu fahren, um dort eine Frau kennenzulernen, fand er seltsam. „Die Suche im Internet entspannt die Sache“, erzählt der gebürtige Sachse.

Zschöckners Entscheidung für einen christlichen Lebensweg fiel früh „und sehr bewusst“. Schon im Alter von zehn Jahren, „als ich versucht habe, die Welt für mich zu ordnen“. Seiner Traumfrau begegnete der heute 38-Jährige im Jahr 2010. Seit 2012 ist er mit Ljuba verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder, die zweijährige Amalia und das Baby Ruben.

Die Antwort auf die Frage, warum er ausgerechnet eine Christin suchte, kommt bei Zschöckner wohlüberlegt. „Ich habe nach einer Frau fürs Leben gesucht“, sagt er. In seinem säkularen Umfeld aber stellte er fest, dass dort eher die Einstellung galt, „man ist zusammen, man ist glücklich, kann sich aber schnell auch wieder voneinander lösen, wenn es mal eine Weile nicht so gut läuft“. Das aber wollte er auf keinen Fall. „Jeder Mensch hat doch seine Höhen und Tiefen.“ Treue und Verlässlichkeit sind dem Familienvater wichtig.


„Eine gottesfürchtige Frau verdient Lob“

Ein Leben mit einer nicht gläubigen Partnerin oder einer Frau aus einer anderen Religionsgemeinschaft konnte sich der evangelische Christ nur schwer vorstellen. Dazu sind ihm die Gemeinschaft seiner Gemeinde und der gemeinsame sonntägliche Gang zum Gottesdienst viel zu wichtig. „Bibel lesen, beten, immer wieder auch nach Gottes Plan für unser Leben fragen. Wir Christen versuchen doch, unser Leben nach Gottes Wort auszurichten.“ Heute liest seine Frau Ljuba den Kindern abends gerne aus der Bibel vor, „und keine Geschichten von Hexen oder Kobolden“.

Im biblischen „Lob der tüchtigen Frau“ sieht Zschöckner weniger eine ideale Hausfrau beschrieben. „Ich sehe da vor allem eine selbstständige, selbstbewusste und souveräne Frau beschrieben, die von ihren Kindern und ihrem Mann für ihr Wesen gelobt und geachtet wird, die klug ist, eloquent und freundlich. Eine Frau, die aber auch eine gewisse wirtschaftliche Weitsichtigkeit mitbringt. Ich lese aus dem Text keine putzende Hausfrau raus.“ Im Gegenteil, die Frau, die dort beschrieben werde, verstehe auch etwas vom Geschäft. Sie „kauft einen Acker“, zitiert er den Vers 16, der in der Leseordnung Kürzungen zum Opfer fiel. Heute, vermutet er, wären das vielleicht Immobilien.


"Ich lese aus dem Text keine putzende Hausfrau heraus"

Das sehen seiner Meinung nach auch viele der inzwischen mehr als 40 000 Nutzer seiner Partnerportale so. „Wir Christen sind Teil der modernen Gesellschaft.“ Und so seien auch die meisten Gläubigen mit der Zeit gegangen. „Die alten Tugenden wie die hausfraulichen Fähigkeiten spielen heute nicht mehr die Hauptrolle.“ Andererseits könne Schönheit allein auch keine Basis für eine gute Ehe sein, sagt Zschöckner. Die körperliche Anmut ist, genau wie das die Bibel beschreibt, „vergänglich“. Natürlich spiele auch das Äußere bei der Partnerwahl für Christen eine gewisse Rolle. „Aber meine Seite spricht vor allem Leute an, die ihren Glauben noch ernst nehmen“, sagt Zschöckner. Darauf, das merkt man, ist er stolz.

Als Zschöckner erzählt, dass sich über seine Portale mittlerweile mehr als 3700 Menschen gefunden haben und er erst heute Morgen eine E-Mail von einem frisch verliebten Paar bekam, das ganz in seiner Nähe lebt, stockt ihm die Stimme und fast steigen ihm Tränen in die Augen. Eine tüchtige Frau, ein tüchtiger Mann das „übertrifft alle Perlen an Wert“.

Die Nutzer von „christliche-partnersuche.de“ kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Die meisten sind zwischen 25 und 40 Jahre alt. Aber anders als auf weltlichen Partnerportalen, wo zwei Drittel der Nutzer männlich sind, dominieren bei den christlichen Singlebörsen nicht die Herren der Schöpfung das Geschehen. „Der Anteil von Frauen liegt bei uns bei 52 Prozent. Weil für Frauen der Glauben oft sehr wichtig ist“, vermutet Zschöckner. Das passt zum Buch der Sprichwörter, das zumindest in seiner ungekürzten Fassung eine sehr aktive Frau beschreibt.

Unmögliches verlangt Zschöckner von seiner Frau nicht. Ihm ist vollkommen klar, dass im Buch der Sprichwörter das Idealbild eines Menschen gezeichnet wird. Wichtig sind dem im Gespräch stets bedächtig wirkenden Mann allerdings einige grundlegende Werte. Etwa eine „aktive Nächstenliebe“. So war ihm selbst die Gründung und der Unterhalt seiner Partnerportale immer eher eine Herzensangelegenheit. „Ich wollte damit nicht reich werden.“ Dass er das für alle Nutzer kostenfreie Angebot jahrelang aus der eigenen Tasche finanziert hat, „habe ich immer als meinen Zehnten betrachtet“, sagt Zschöckner.

Auch bei seinen Mitmenschen sind ihm solche Tugenden nicht ganz unwichtig: „Es ist doch sympathischer, wenn sich jemand sozial und für unsere Gesellschaft engagiert und nicht nur seine Freizeit vor dem Fernseher verbringt.“

Von Andreas Kaiser