04.09.2014

Kardinal Müller will sich mit Piusbrüdern treffen

Gespräche mit Traditionalisten?

Eine Annäherung zwischen dem Vatikan und der Priesterbruderschaft St. Pius X. scheint wieder möglich zu sein. Zumindest wollen sich Kardinal Ludwig Müller und Bernhard Fellay, der Obere der Piusbrüder, zum Gespräch treffen.

Bernhard Fellay, Oberer und Bischof der Piusbrüder, bei einer Priesterweihe in Zaitzkofen, dem Hauptsitz der Bruderschaft. Die Weihen werden vom Vatikan nicht anerkannt. Foto: kna-bild

Kommt wieder Bewegung in die seit eineinhalb Jahren stagnierenden Einigungsbemühungen zwischen dem Vatikan und den Piusbrüdern? Vatikansprecher Federico Lombardi bestätigte am Donnerstag eine Mitteilung der traditionalistischen "Priesterbruderschaft St. Pius X.", ihr Oberer Bernard Fellay werde demnächst in Rom zu einem informellen Treffen mit Kardinal Gerhard Ludwig Müller, dem Präfekten der Glaubenskongregation, zusammenkommen. Ein genauer Termin für diese erste Begegnung der beiden - im Gespräch war der 21. September - wurde nicht genannt.

Seit der Wahl von Papst Franziskus tat sich nichts im "Fall" der Piusbrüder, der die zweite Pontifikatshälfte von Benedikt XVI. intensiv beschäftigt hatte und der im Januar 2009 mit der Rücknahme der Exkommunikation für vier Traditionalisten-Bischöfe einen weltweiten Aufschrei ausgelöst hatte, weil unter ihnen der Holocaustleugner Richard Williamson war. Am 22. Februar 2013 war ein letztes Ultimatum des Vatikan an die seit 1988 getrennten Traditionalisten verstrichen. Weder leistete Fellay die geforderte Unterschrift unter die "lehrmäßige Präambel" mit ihrer Verpflichtung auf das vollständige kirchliche Lehramt, noch zog Rom eine Konsequenz. Zuvor war sogar vom endgültigen Bruch, von der offiziellen Bestätigung eines Schismas die Rede gewesen.
 

Papst Franziskus setzt auf friedliche Lösung

Bernhard Fellay.
Foto: kna-bild

Papst Franziskus hatte von Anfang an deutlich gemacht, dass er wie sein Vorgänger an einer friedlichen Lösung mit den konservativen Piusbrüdern interessiert sei und darauf setze, dass noch einmal Gespräche in Gang kommen. Das jetzige Treffen Müller-Fellay bestätigt diese Linie. Im Übrigen war bereits Franziskus selbst, der in Argentinien manche Kontakte zu Piusbrüdern unterhielt, einmal "zufällig" mit Fellay zusammengetroffen: Im Dezember im Speisesaal des Gästehauses Santa Marta, wo der Schweizer mit Mitgliedern der zuständigen Vatikankommission "Ecclesia Dei" zu Abend aß.

Seit geraumer Zeit kursiert im Vatikan für den Kontakt zu den Piusbrüdern die Formel "Geduld und Festigkeit": Die vorgelegte dogmatische Präambel sei "gleichsam die Tür, durch welche die Piusbruderschaft und die ihr zugehörenden Personen in die volle Gemeinschaft der Kirche eintreten können", betonte Müller mehrfach. "Diese Tür steht offen, wir schließen sie nicht. Aber es gibt auch kein Hintertürchen."
 

Kardinal Gerhard Ludwig
Müller Foto: kna-bild

Und auch der Papst stellte wiederholt klar, wie wichtig für ihn ein entschiedenes Festhalten an dem vom Konzil eingeschlagenen Kurs der Kirche ist und dass es kein Zurück hinter das Konzil geben dürfe - Äußerungen, die nicht auf Abstriche oder Kompromisse am kirchlichen Lehramt und den Konzilien hindeuten, einschließlich des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Zugleich signalisierte Franziskus aber auch eine Offenheit in Fragen der Liturgie und ihrer alten Form, wenn dabei die Einheit der Kirche gewahrt bleibe.

Bei ihrem bevorstehenden Treffen dürften Müller, der seit 2012 als Kongregationspräfekt amtiert, und Fellay über Möglichkeiten und Wege einer Fortsetzung der Kontakte beraten: ob der theologische Expertendialog fortgesetzt oder unter veränderten Vorgaben nochmals aufgenommen werden soll, ob man eine Reflexionspause einlegt ober ob es andere Wege und Verfahren für eine Annäherung oder ein Nebeneinander geben könnte. Es muss also zunächst geklärt werden, ob und wie Rom und Econe weitermachen und zusammenbleiben wollen. Aber sicher wird Franziskus sehr daran interessiert sein, gemeinsam mit Kardinal Müller seinen Beitrag zur Aufarbeitung dieser seit 26 Jahren andauernden schmerzhaften Trennung zu leisten.

kna