12.12.2017

Rückblick auf 2017

Ein Jahr des Dialogs im Vatikan

Immer mit allen im Dialog bleiben: Dieser roter Faden zog sich auch im Vatikan durch das vergangene Jahr.


Foto: kna
In Bangladesch wurde Papst Franziskus mit einer Blumenkette begrüßt. Foto: kna


Mit allen den Dialog suchen - die stete Mahnung von Papst Franziskus war auch ein durchlaufendes Motiv in diesem Jahr im Vatikan: Es ging um Dialog über Konfessionsgrenzen hinweg und zwischen internationalen Konfliktparteien, um neues Engagement der päpstlichen Diplomatie und um handfeste innerkirchliche Spannungen. Es gab heikle Besuche wie den von US-Präsident Donald Trump im Mai und solche, die eine bewährte Partnerschaft festigten, wie eine weitere Visite von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Juni.

Foto: kna
Auch US-Präsident Donald Trump hatte eine Visite 
im Vatikan. Foto: kna

Foto: kna
Im Juni besuchte Angela Merkel Papst Franziskus.
Foto: kna

Kritiker werden in ihrer Bilanz 2017 vor allem die Kontroversen herausstreichen; andere können in dem Jahr weitere Schritte des Papstes sehen, die Verantwortung in der Kirche auf mehr Schultern zu verteilen, Anwaltschaft für Leidende und Bedrängte zu übernehmen und angesichts der Weltprobleme Einsatz zu zeigen.

Den Migranten und Flüchtlingen widmete Franziskus wieder besondere Aufmerksamkeit. Zwar gab es keine so spektakuläre Geste wie seine Reise nach Lesbos 2016, aber regelmäßig erwähnte er sie in Ansprachen und Appellen. Flüchtlinge haben einen festen Platz in der vatikanischen Agenda: Das wird auch darin deutlich, dass die Behörde von Kurienkardinal Peter Kodwo Turkson, der dieses Ressort zugeordnet ist, inzwischen ihre Arbeit aufgenommen und im vergangenen Jahr mit Veranstaltungen an Sichtbarkeit zugenommen hat.

 

Kardinalstaatssekretär Parolin reiste nach Russland

Generell wertet der Vatikan seine diplomatischen Aktivitäten auf. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin reiste im August nach Russland, um vor dem Hintergrund einer "Zunahme von Spannungen und Konflikten in verschiedenen Teilen der Welt" mit Präsident Wladimir Putin zu sprechen. Man müsse "jede Gelegenheit nutzen, um zu Respekt, Dialog und gegenseitiger Zusammenarbeit zu ermutigen", sagte der päpstliche Chefdiplomat. In der geopolitischen Lage versucht sich der Vatikan, unverdächtig jeglicher eigenen Macht- oder Wirtschaftsinteressen, als Makler und Mahner einzubringen.

Dasselbe gilt für nationale Konflikte wie in Venezuela. Im Juni suchten die Kirchenspitzen des Landes im Juni das Gespräch mit dem Papst, und es fiel auf, wie wenig sich der Vatikan beeilte, sich die Sorgen und Forderungen der örtlichen Bischöfe gegenüber Präsident Nicolas Maduro zu eigen zu machen. Auch hier wollte man offenbar nicht vorschnell urteilen, sondern Türen offenhalten.

Foto: kna
Zur Heiligsprechung der Seherkinder reiste 
Franziskus im Mai nach Fatima. Foto: kna

Sensible Kontaktaufnahme bestimmte ebenso drei der vier Auslandsreisen von Franziskus. Lediglich der kaum 24-stündige Pilgerbesuch in Fatima zur Heiligsprechung der Seherkinder am 13. Mai hatte einen rein religiösen Inhalt. Während der Kolumbien-Visite im September anlässlich des Friedensschlusses mit den FARC-Rebellen wie auch in Myanmar und Bangladesch im November enttäuschte der Papst mit seinem behutsamen Auftreten manche Beobachter. Aber Franziskus will offenbar typisch jesuitisch das Gute stärken und nicht, wie er sagte, "dem anderen die Tür ins Gesicht schlagen".

Die gleiche Mischung von Klarheit in der Sache und Zurückhaltung im Auftreten prägte den Papstbesuch im April in Kairo. Als Gast einer Friedenskonferenz der sunnitischen Hochschule Al-Azhar besiegelte Franziskus die Wiederaufnahme des vatikanisch-islamischen Dialogs nach sechsjähriger Unterbrechung. Erst kurz zuvor, im Februar, waren ranghohe Delegationen des Vatikan und der Al-Azhar zusammengekommen, um über Mittel gegen religiösen Extremismus zu beraten.

Das Reformationsgedenkjahr war auch Thema
im Vatikan: Dreimal war der EKD-Ratsvorsitzende
Heinrich Bedford-Strohm zu Gast beim Papst.
Foto: kna

 

Keine großen Neuerungen in der innerchristlichen Ökumene erreicht

Was die innerchristliche Ökumene anging, gab selbstverständlich das Reformationsgedenkjahr das Thema vor. Allein dreimal war der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, beim Papst zu Gast. Franziskus sagte beim ersten Treffen im Februar noch, das Gedenken an die Reformation vor 500 Jahren biete die Gelegenheit, "einen weiteren Schritt vorwärts zu tun". Eine große Neuerung, wie sie viele etwa in Sachen Abendmahl erhofft hatten, blieb jedoch aus.

So einträchtig wie zwischen Bedford-Strohm und Franziskus ging es im Vatikan nicht immer zu. Das neue Jahr begann mit der Fortsetzung des Konflikts um den Malteserorden: Dieser hatte den Großkanzler Albrecht von Boeselager amtsenthoben - vordergründig wegen der Verteilung von Kondomen in Hilfsprojekten, womöglich aber wegen eines Machtkampfs mit dem ultrakonservativen US-Kardinal Raymond Leo Burke. Nach einer Intervention des Papstes war Malteser-Großmeister Matthew Festing seinen Job los und Boeselager wieder eingesetzt.

Es ist nur ein Schlaglicht, dass Franziskus, wiederum sehr nach Jesuitenart, beherzte Leitungsentscheidungen treffen kann. Das erfuhr der letzte Deutsche auf einem Leitungsposten im Vatikan, Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Ende Juni, pünktlich mit Ablauf des fünfjährigen Mandats, teilte der Papst ihm mit, dass sein Job als Präfekt der Glaubenskongregation erledigt war. Nachfolger wurde sein fast drei Jahre älterer Sekretär Luis Ladaria, nicht weniger konservativ als Müller, aber bedachter in öffentlichen Äußerungen.

Foto: kna
Die Krise in der Leitungsebene des Malteser-Ordens
sorgte für viele Schlagzeilen. Foto: kna

 

Debatte um Amoris laetitia nach Veröffentlichung eines Papstbriefes beendet sein

Das Jahr hindurch wurde immer wieder einmal von einer Führungskrise im Vatikan oder einem Widerstand gegen Franziskus berichtet, hauptsächlich aus Kreisen, die von der Stärkung der ortskirchlichen Verantwortung und Franziskus' Forderung nach abgewogenen ethischen Entscheidungen verunsichert sind. Die Debatte um das Papstschreiben "Amoris laetitia" und die Kommunionzulassung wiederverheirateter Geschiedener - Stein des Anstoßes für rechtskonservative Katholiken - soll mit der amtlichen Veröffentlichung des Briefs von Papst Franziskus an die Bischöfe der Region Buenos Aires im Vatikanischen Amtsblatt beendet sein.

Foto: kna
Der Streit um das Papstschreiben Amoris laetitia 
hingegen soll beendet sein. Foto: kna

Die Beratungen zur Kurienreform gingen unterdessen weiter: Die neun Kardinäle erörterten auf ihren Treffen die Zukunft der vatikanischen Gerichtshöfe, die Rekrutierung von Personal für den Heiligen Stuhl, die Einbindung von Laien bei der Suche nach Bischofskandidaten oder die Übertragung bestimmter Vollmachten an Ortsbischöfe und Bischofskonferenzen, zum Beispiel bei der Übersetzung liturgischer Texte. "Dezentralisierung" war ein durchgängiges Schlagwort.

Vatikanische Querelen gab und gibt es genug - unter anderem in den Finanz- und Wirtschaftsorganen der Kurie, beim Umgang mit Kindesmissbrauch oder bei der Gestaltung der Medienreform. All dies wird der Papst noch ins neue Jahr mitnehmen. Sein Grundkurs bleibt aber, auch im Blick auf die Jugend-Synode 2018, eine Kirche, die mehr Menschen einbezieht und stärker in der Welt mitmischt.

kna