07.10.2016

Friedensnobelpreis

Ehrung für Frieden in Kolumbien

Ehrung trotz des gescheiterten Friedensvertrags: Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos erhält den Friedensnobelpreis.

Der kolumbianische Präsident Santos bei einer Audienz mit Papst Franziskus. Foto: kna-bild

Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an den kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos. Das gab das Norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo bekannt. Mit der Auszeichnung werde das Engagement des 65-Jährigen für das Ende des kolumbianischen Bürgerkriegs gewürdigt.

Im August hatten sich die linke Rebellenorganisation FARC und die Regierung Santos auf ein Ende des 52 Jahre andauernden Konflikts geeinigt, der rund 270.000 Menschen das Leben kostete und acht bis neun Millionen Binnenflüchtlinge hervorbrachte. Ende September wurde der Friedensvertrag unterschrieben. Die kolumbianische Bevölkerung lehnte die über vier Jahre ausgehandelte Friedensvereinbarung in einer Volksabstimmung überraschend und mit hauchdünner Mehrheit ab. Umfragen hatten einen Sieg der Befürworter vorausgesagt.

 

So viele Nominierungen wie nie zuvor

Insgesamt waren in diesem Jahr 376 Personen oder Institutionen nominiert, so viele wie nie zuvor in der Geschichte des Preises. Der Friedensnobelpreis ist einer der fünf von Alfred Nobel gestifteten Preise. Seit der Gründung 1901 wurde der Preis 97 mal verliehen. Die Auszeichnung ist derzeit mit acht Millionen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert.

Ex-Präsident Alvaro Uribe, prominentester Gegner des Abkommens, hatte stets kritisiert, die Vereinbarung räume der FARC-Guerilla zu große Straffreiheit und lasse die Bedürfnisse der Opfer außer Acht. Auch er erklärte nun nach dem Nein der Kolumbianer, niemand wolle eine Fortsetzung des bewaffneten Konflikts. Präsident Santos erklärte, er werde sich bis zum Ende seiner Amtszeit unermüdlich weiter für das Abkommen einsetzen.

Die Wahl der Bürger sei keine Entscheidung zwischen Krieg und Frieden gewesen, so das Komitee. Der Ausgang des Referendums bedeute nicht, dass der Friedensprozess gescheitert sei. Zwar bestehe die Gefahr, dass der blutige Konflikt fortgesetzt werde. Gerade deshalb seien die Bemühungen Santos' jedoch von besonderer Bedeutung, den Dialog mit allen Beteiligten fortzuführen.

kna