31.05.2017

David Beasley ist neuer WFP-Chef

Beter und Arbeiter gegen den Hunger

Keine einfache Aufgabe angesichts vier schwerer Hungerkrisen: Der Amerikaner David Beasley ist neuer Exekutivdirektor des Welternährungsprogramms. 


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Ein Mann mit Wasserkanistern in der nigerianischen Stadt
Daura: Lebensmittel- und Wasserknappheit sind das
größte Problem des Landes. Foto: kna

Man möchte sich leichtere Aufgaben wünschen als die des Exekutivdirektors beim UN-Welternährungsprogramm (WFP). Vier schwere Hungerkrisen gleichzeitig sind im Gang, im Nordosten Nigerias, Südsudan, Somalia und Jemen. 20 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen. Allein 1,45 Millionen Kinder gelten als "gefährlich unterernährt"; 600.000 von ihnen könnten ohne rasche medizinische Hilfe verhungern. David Beasley, neuer Hausherr im WFP-Hauptquartier im römischen Vorort Muratella, spricht von der "schlimmsten humanitären Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg".

Im April bezog Beasley seinen Posten am Tiber. Seither verbrachte er die Hälfte seiner Zeit auf Reisen. Soeben erst kehrte er aus dem Südsudan zurück, wo er ein "absolutes Desaster" vorfand: Zum Mangel an Nahrung kommen schwierige Wetterverhältnisse, fehlende Infrastruktur und eine katastrophale Sicherheitslage. In den übrigen Krisengebieten - allesamt Kampfzonen von Milizen, die sich wenig um humanitäres Völkerrecht scheren - sieht es nicht besser aus.

Die Berufung des 60-jährigen Beasley an die Spitze des WFP verdankt sich nicht allein der Erfahrung im Katastrophenmanagement, die er sich als Gouverneur des hurrikangeplagten US-Bundesstaats South Carolina erwarb. Seit über einem Jahrzehnt engagiert er sich in der internationalen Friedensarbeit. Vor allem aber gilt Beasley, der als Student mit 21 Jahren Abgeordneter der Demokraten in South Carolina wurde und später zu den Republikanern wechselte, als gut vernetzt auf dem Kapitol-Hügel in Washington.

Davon hängt das Überleben von Millionen ab. Traditionell sind die USA größter Geber des WFP; ob sie es bleiben, scheint mit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten ungewiss. Auf Beasley, der persönliche Beziehungen und das direkte Gespräch als Zugang zu Problemlösungen ansieht, ruhen hohe Erwartungen.

 

Weiterführung der US-Hilfspolitik sei eine "Frage der Vernunft"

Foto: wikimedia
David Beasley
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Vor seiner Zusage für Rom ließ er nach eigenen Worten von führenden Abgeordneten in Washington versichern, sie würden weiter für die Hungerhilfe fechten. 990 Millionen Dollar sind jetzt im aktuellen Haushalt vorgesehen. Dahinter stehe ein "ungeheures parteiübergreifendes Engagement". Ob die Regierung das Geld wirklich ausbezahlt, ist eine andere Frage - aber, so sagt Beasley fast drohend, dies wäre dann jedenfalls "keine Fake News - wenn Kinder sterben, weil wir die Fonds nicht freigegeben haben".

Ob Trump die bisherige Hilfspolitik fortführt - für den WFP-Chef ist das eine Frage der Vernunft. Wer für eine Politik des "Amerika zuerst" eintritt, muss letztlich, so glaubt er, Hungerhilfe finanzieren, weil sie Extremismus und Flucht stoppt. Wo die Rate der Hungernden steige, steige die Migrationsrate um das Doppelte.

Das eigentliche Problem sieht er in den Konflikten weltweit: Sie seien das "Hindernis Nummer eins" für die Linderung des Hungers. Global gebe es 300 Billionen Dollar an liquiden Mitteln, schätzt Beasley. Mit diesem Vermögen sowie der vorhandenen Technologie und Expertise ließe sich der Hunger auf dem Planeten ohne weiteres bis 2030 beseitigen, ist er überzeugt. Solange aber die Konflikte andauern - "vergiss es". Sein Appell ist daher: Wer kein Geld für Nothilfe geben kann oder will, soll wenigstens politischen Druck ausüben, um gewaltsame Auseinandersetzungen zu beenden.

Beasley zitiert gern Fakten und Zahlen; dabei fällt auch locker die Bemerkung, dass in der Bibel "mehr als 300 Verse von Hunger handeln", und wie selbstverständlich verweist der Chef der größten UN-Hilfsagentur auf das Gebot Jesu, Arme zu speisen. Am WFP-Hauptsitz registriert man diesen neuen Ton aufmerksam. Religiöse Neutralität gehört zum Vertrauenskapital der Organisation.

Aber Beasley meint es anscheinend ernst, wenn er sagt, man müsse für das WFP-Budget "hart beten, hart arbeiten". In Papst Franziskus sieht er einen Partner, was Armutsbekämpfung und Rüstungskritik angeht. "Fantastisch" nennt er, der Protestant der Southern Baptists, den Papst, und gerne möchte er sich mit ihm bald einmal treffen, "um Inspiration von ihm zu gewinnen und hoffentlich umgekehrt auch ihn zu inspirieren, was wir gemeinsam tun können".

kna