23.10.2017

Welche Werte Christen von ihrem Ehepartner erwarten

„Suche im Internet entspannt die Sache“

Im biblischen Buch der Sprichwörter wird „Das Lob der tüchtigen Frau“ gesungen. Wir haben mit Tobias Zschöckner, dem Gründer und Betreiber von „christliche-partnersuche.de“ und „himmlich-plaudern.de“, über die Motive, Wünsche und Erwartungen von Christen bei der Partnersuche im Netz gesprochen.

Tobias Zschöckner (Foto: Andreas Redekop)

Tobias Zschöckner ist ein ernsthafter Mensch. Der gelernte Maschinenbauer ist Ingenieur bei einem DAX dotierten Energie-Unternehmen. Nebenbei betreibt er die Singlebörse „christliche-partnersuche.de“ sowie die Internet-Community „himmlich-plaudern.de“. Das erste christliche Netzwerk hat er bereits 2008 ins Leben gerufen. „Auch aus eigenem Interesse“, wie er sagt. Er war damals auf der Suche nach einer christlichen Partnerin. Doch das war - in einer Welt, in der die Religion für viele Menschen kaum noch eine Rolle spielt – gar nicht so leicht. „Man will sich ja kein Schild auf die Stirn kleben.“ Auch krampfhaft auf Freizeiten zu fahren, um dort eine Frau kennenzulernen, fand er seltsam. „Die Suche im Internet entspannt die Sache“, erzählt der gebürtige Sachse.

Zschöckners Entscheidung für einen christlichen Lebensweg fiel früh „und sehr bewusst“.  Schon im Alter von zehn Jahren, „als ich versucht habe, die Welt für mich zu ordnen“. Seiner Traumfrau begegnete der heute 38Jährige im Jahr 2010. Seit 2012 ist er verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder.

Suche nach der Frau fürs Leben und nicht dem Partner auf Zeit

Die Antwort auf die Frage, warum er ausgerechnet eine Christin suchte, kommt bei Zschöckner, der auch dem ERF oder auch der Sächsischen Zeitung schon Interviews gab,  wohlüberlegt. „Ich habe nach einer Frau fürs Leben gesucht“, sagt er. In seinem säkularen Umfeld aber stellte er fest, dass dort eher die Einstellung galt, „man ist zusammen, man ist glücklich, kann sich aber schnell auch wieder voneinander lösen, wenn es mal eine Weile nicht so gut läuft“. Das aber wollte der Ingenieur auf keinen Fall. „Jeder Mensch hat doch seine Höhen und Tiefen.“ Auch wollte er nicht plötzlich wieder auf sich allein gestellt sein. Treue und Verlässlichkeit sind dem Familienvater wichtig. Mehr noch: Ein Leben mit einer nicht gläubigen Partnerin oder einer Frau aus einer anderen Religionsgemeinschaft, konnte sich der evangelische Christ nur schwer vorstellen. Dazu ist ihm die Gemeinschaft seiner Gemeinde, der gemeinsame, sonntägliche Gang zum Gottesdienst viel zu wichtig. „Bibel lesen, beten, immer wieder auch nach Gottes Plan für unser Leben zu fragen. Wir Christen versuchen doch unser Leben nach Gottes Wort auszurichten.“

Hausfrauliche Fähigkeiten spielen längst keine Hauptrolle mehr (Foto: christliche-partnersuche.de - © Dario - Fotolia.com)

Heute liest seine Frau den Kindern abends gerne aus der Bibel vor, „und keine Geschichten von Hexen oder Kobolden“, sagt Zschöckner. Auch das ist dem tiefgläubigen Mann wichtig. Im biblischen „Lob der tüchtigen Frau“, sieht er weniger – wie man auf den ersten Blick meinen könnte – eine ideale Hausfrau beschrieben. Mit wenigen, durchdachten Worten übersetzt  er den alten Text in eine moderne Sprache. „Ich sehe da vor allem eine selbständige, selbstbewusste und souveräne Frau beschrieben, die von ihren Kindern und Mann für ihr Wesen gelobt und geachtet wird, die klug ist, eloquent, und freundlich. Eine Frau, die aber auch eine gewisse wirtschaftliche Weitsichtigkeit mitbringt. Ich lese aus dem Text keine putzende Hausfrau raus“, sagt Zschöckner. Im Gegenteil, die Frau, die dort beschrieben werde, verstehe auch etwas vom Geschäft. Sie „kauft einen Acker“. Heute wären das vielleicht Immobilien, vermutet der Ingenieur.

"Meine Seite spricht vor allem Leute an, die ihren Glauben noch ernst nehmen"

Eine ähnliche Motivation bei der Partnersuche will Zschöckner auf bei vielen der inzwischen mehr als 40.000 Nutzer seiner Partner- und Chatportale erkannt haben. „Wir Christen sind Teil der modernen Gesellschaft.“ Und so wie sich die Gesellschaft weiterentwickelt habe, seien auch die meisten Gläubigen mit der Zeit gegangen. „Die alten Tugenden, die hausfraulichen Fähigkeiten spielen heute nicht mehr die Hauptrolle.“ Auch Schönheit allein könne keine Basis für eine gute Ehe sein, sagt Zschöckner. Die körperliche Anmut ist, genau wie das in der Bibel beschrieben wird, „vergänglich“.

Natürlich spiele aber auch das Äußere bei der Partnerwahl für Christen eine gewisse Rolle. „Meine Seite spricht vor allem Leute an, die ihren Glauben noch ernst nehmen“, sagt Zschöckner. Darauf, das merkt man im Gespräch, ist er stolz. Als Zschöckner erzählt, dass sich über seine Portale mittlerweile mehr als 3700 Menschen gefunden haben, und er erst heute Morgen eine Mail von einem frisch verliebten Paar bekam, das ganz in seiner Nähe lebt , stockt ihm die Stimme und fast steigen ihm Tränen in die Augen.

Auf christlichen Partnerportalen dominieren eher Frauen das Geschehen

Anders als auf meisten weltlichen Partnerportalen, bei denen rund zwei Drittel der Nutzer männlich sind, dominieren bei den christlichen Singlebörsen nicht die Herren der Schöpfung das Geschehen. „Der Anteil von Frauen liegt bei uns bei 52 Prozent. Weil für Frauen der Glauben oft sehr wichtig ist“, vermutet Zschöckner. Die Nutzer von „christliche-partnersuche.de“ kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Die meisten sind 25 bis 40 Jahre alt.

Unmögliches verlangt Zschöckner von seiner Frau nicht. Ihm ist vollkommen klar, dass im Buch der Sprichwörter das Idealbild eines Menschen gezeichnet wird. Wichtig sind dem im Gespräch stets bedächtig wirkenden Mann allerdings einige grundlegende Werte. Etwa eine „aktive Nächstenliebe“. So war ihm selbst die Gründung und der Unterhalt seiner Partnerportale immer eher eine Herzensangelegenheit. „Ich wollte damit nicht reich werden.“ Dass er das für alle Nutzer kostenfreie Angebot jahrelang aus der eigenen Tasche finanziert hat, „habe ich immer als meinen Zehnten betrachtet“, sagt Zschöckner. Auch bei seinen Mitmenschen sind ihm solche altruistischen Tugenden nicht ganz unwichtig. „Es ist doch sympathischer, wenn sich jemand sozial und für unsere Gesellschaft engagiert, und nicht nur seine Freizeit vor dem Fernseher verbringt“, sagt er.

Ihr Webreporter Andreas Kaiser