21.03.2018

Anfrage

Bedeuten segnen und weihen dasselbe?

Die Worte segnen und weihen werden umgangssprachlich praktisch gleich benutzt. Gibt es trotzdem einen Unterschied? H. P., Bremen

Ja, es gibt einen Unterschied, auch wenn umgangssprachlich in der Tat manches durcheinandergeht.

Segnen (lateinisch: benedicere) bedeutet wörtlich: jemandem etwas Gutes zusprechen, konkret: für jemanden oder für etwas das Heil Gottes erbitten.

Damit wird dieser Jemand oder das Etwas nicht anders, als es vorher war. Das Kind, das von der Mutter gesegnet wird, bleibt dieses Kind; das neue Rathaus, das vom Stadtdechanten gesegnet wird, bleibt ein Rathaus. Ganz weltlich. Wir setzen nur ein positives Vorzeichen über den Tag des Kindes, über die Arbeit der Stadtverwaltung.

Segnen, also den Segen von Gott her erbitten, kann deshalb auch jeder getaufte Christ – wobei Christen das Segnen aus dem Judentum übernommen haben. Segnen ist keine spezielle Aufgabe von Klerikern – es ist nur angemessen, dass das Rathaus vom Stadtdechanten gesegnet wird und nicht von der katholischen Verwaltungsfachkraft.

Beim Weihen hingegen wird etwas zunächst ganz und gar Weltliches herausgenommen und für den sakralen, religiösen Bereich reserviert. Es ändert sich etwas – nicht Materie natürlich, aber der Charakter des Geweihten. Aus weltlich wird sakral.

Bei der Altarweihe wird ein Steinklotz reserviert für den Gottesdienst; bei der Weihe eines Rosenkranzes wird das Werkstück reserviert für das Gebet; bei der Weihe des Osterwassers wird normales H2O reserviert für das gläubige Bekreuzigen; bei der Priesterweihe wird ein Mann für den Dienst am Heiligen, an Gott und den Menschen gerufen.Weihen, herausrufen aus dem Weltlichen und hineinrufen in das Sakrale, können deshalb im Vollsinn nur geweihte Menschen.

Wenn wir im Lied zur Gabenbereitung „Wir weihn der Erde Gaben“ singen, zeigt es trotzdem das Richtige: Unser weltliches Brot, unser irdischer Wein werden für das heilige Mahl reserviert.

Von Susanne Haverkamp